Erz für Duisburg  - eine lange Reise

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Was ein Schiff mit Namen "Berge Stahl" und ein Gebiet im tropischen Regenwald Brasiliens mit der Herstellung eines Stahlträgers zu tun haben

Auf dem Roman „Die Säulen der Erde" basiert ein beliebtes Brettspiel, in dem es darum geht schnell eine Kathedrale zu errichten. Dabei ist zu beachten, dass der richtige Ort und die richtigen Materialien ausgesucht werden. 
Doch nun soll es nicht um das Spiel oder gar den Roman von Ken Follett gehen, sondern um die Säulen der Erde, wie wir sie heute verstehen. Unsere Säulen sind aus den verschiedensten Materialien erbaut: Menschlichkeit, Politik, aber auch der Wirtschaft. Zu der großen Wirtschaftssäule zählt auch die Metallindustrie. Und unter die Metallindustrie fällt die Stahlindustrie
Aber wie entstehen eigentlich Eisen oder Stahl? Woraus bestehen sie? Wo kommen die Materialien dafür her? Wie kommen sie hierher? Wo wird Stahl überhaupt erzeugt? 
All diese Fragen sollen auf unserer Reise geklärt werden. Unser Ziel kennen wir: Der fertige Stahlträger aus dem Stahlwerk HKM in Duisburg. Doch wo mag unsere Reise beginnen? Stahl wächst ja bekanntlich nicht auf Bäumen. Nein, es wird hergestellt aus Eisenerz, und dieses Eisenerz wird in einer Eisenlagerstätte über 8000 km von Deutschland entfernt abgebaut. Genauer im brasilianischen Regenwald. Diese Lagerstätte heißt Serra dos Carajás. Und genau hier soll unsere Reise beginnen:

Die Serra Dos Carajás ist eine der größten bekannten Eisenerzlagerstätten der Welt. Mit einer Ausdehnung von fast 40 km von West nach Ost und einer Ausdehnung von Nord nach Süd von fast 20 km. Die Vorkommen schätzt man auf etwa 18 Milliarden Tonnen. 
Damit die Lagerstätte überhaupt abgebaut werden kann, musste sie erschlossen werden. Dafür hat man die Ureinwohner umgesiedelt und große Flächen des Regenwaldes abgeholzt. Außerdem staute man einen See auf, um die Versorgung mit Elektrizität und Trinkwasser zu gewährleisten. Eine Arbeitersiedlung wurde aufgebaut sowie ein Flughafen. Das abgebaute Eisenerz wird mithilfe einer Eisenbahnstrecke, die sich über 890 km durch den Regelwand zieht, nach Sao Luís transportiert. Neben Eisenerz wird in der Serra dos Carajás auch Mangan, Bauxit und Kupfer abgebaut. Östlich der Lagerstätte ist ein landwirtschaftliches Kolonisationsgebiet. Insgesamt arbeiten in der Serra Dos Carajás etwa 1380 Menschen in den verschiedensten Bereichen. Von den jährlich 15 Millionen Export-Tonnen des abgebauten Eisenerzes wird nach Deutschland etwa ein Viertel verschifft. Der größte Abnehmer ist Japan mit 1/3 der kompletten Menge. Außerdem werden Frankreich, Luxemburg, Italien und Südkorea mit dem Erz beliefert.

Gehen wir nun näher an die Abbaustätte selbst heran. Das Eisenerz wird im Tagebau abgebaut. Es ist eigentlich unvorstellbar, welch eine Abbaustätte inmitten der brasilianischen Tropen entstanden ist und das nur, um die Eisenproduktion in den oben genannten Ländern zu gewährleisten. Zuerst sehen wir im folgenden Google-Earth-Screenshot eine Gesamtübersicht der Abbaustätte, die die Dimension und die riesig entstandene Rodungsflächen veranschaulicht.

Im Osten des Bildes erkennt man die entstandene Arbeitersiedlung mit schachbrettartigem Muster. Wir befinden uns in mehr als 100 km Entfernung von der nächsten größeren Siedlung. Den Arbeitern müssen also die angemessenen Bedingungen an Ort und Stelle zur Verfügung gestellt werden. Auf dem Bild erkennt man sogar einen Sportplatz und eine eigene Kläranlage im Süd-Westen. Doch kurze Stichworte sollen das Leben der Arbeiter genauer charakterisieren: 1. sommerliche Hitze bis ca. 40° C, 2. Schmutz durch Erzabbau, 3. kleine Häuser, 4. Peripherie (=Randlage). 

Wichtig für den Abbau und für die dort lebenden Menschen ist der Strom, den man durch einen großen Stausee erzeugt. Auf unserer Reise geht es hier natürlich auch nicht ohne ein (Luft-) Bild.

Der Stausee ist ca. 4,5 km breit und besitzt eine Länge von ca. 2 km.

So nun haben wir aber endgültig genug über äußere Bedingungen der Serra dos Carajás geredet. Wir gehen nun in die einzelnen Details des Werkes. Hierzu geben wir erst einen Eindruck an Hand von Bildern, die wir erläutern.

Man erkennt hier, wie die Bagger die Erze "abkratzen". Das stufige Relief und die Fließbänder leiten dann die noch unbehandelten Erze zu den Verarbeitungsstätten, die die Erze reinigen und abfuhrfertig machen.

Über verschiedenste Zwischenstufen kann hier das Erz so behandelt werden, dass er völlig frei von Fremdgestein ist. Auf dem Luftbild erkennt man die verschiedenen Behälter, die alle durch Fließbänder verbunden sind. Die Erze haben also vom Abbau durch Bagger einen langen Weg bis hin in die Werke von HKM DUISBURG.

Eine kurze Übersicht über die fertigen Abbauareale bietet das nächste Bild, das eine tiefe Grube zeigt: Die Erzabbauzone. Wir stehen nun auf der oberen Kante der Grube, und von hier aus kommt es uns gewaltig vor. Es wirkt als wäre die Grube 50 m tief, obwohl man sagen muss, dass diese Gruben eine Tiefe von ca. 200 m erreichen.

Am linken Bildrand sieht man einen Schaufelbagger, der die Grube "enterzt".

Nun geht es zurück zu den Verwaltungsgebäuden.

Weiter geht es östlich in Richtung der Umschlagstätten, von wo die Erze auf die Bahn für die Ostküste Brasiliens geladen werden. 

Nach einer ca. 890 km langen Bahnreise befinden wir uns nun im Hafen von Sao Luís, einer Küstenstadt im brasilianischen Osten.

Dort wartet die "Berge Stahl", der größte Massengutfrachter der Welt.

Infos: Tiefgang beladen bis zu 23 m, Ladekapazität ca. 350000 t, Länge 354 m, 1986 in Südkorea gebaut.

Nach einer vierzehntägigen Reise über den Atlantik macht die "Berge Stahl" im Hafen von Rotterdam fest: oben links ist sie zu erkennen.

Die Hafenrinne zum Europoort ist 24 m tief und muss oft vor Einlass des Schiffes frisch geschürft werden. Bei einer Beladung mit 354.000 t Erz beträgt die Bodenfreiheit unter Kiel oft nur 1 m. Das Zeitfenster zur Einfahrt während der Flut liegt bei ~20 Minuten. Das Entladen in Rotterdam dauert ca. 3-4 Tage.

Im Europoort wird das Roherz anschließend in sog. "Leichter" geladen, die von Schubschiffen zu HKM in Duisburg gebracht werden.

Schließlich sind wir in Duisburg, und unsere aufregende Reise ist beendet. 

Nun müssen wir noch kurz einen negativen Teil unserer Reise ansprechen, den auch die Eisenindustrie nicht übersehen darf: Rodungsflächen

Und was ist das Problem?

Mit einer Größe von ca. 20 km2 ist die Serra dos Carajás noch nicht einmal zu einem Vierzigstel ausgebeutet, d.h. dass auch in den nächsten Jahren der tropische Wald den Erzabbaustätten weichen wird. Ein Wermutstropfen, der zu den schlechten Arbeitsbedingungen hinzukommt.

Wir bedanken uns für Ihre Aufmerksamkeit und haben uns sehr gefreut, Ihre Reiseleiter auf dem Weg des Erzes zum Stahlwerk zu sein.

Verwendete Programme und Materialien:

Google Earth, Wikipedia, Bertelsmann Lexikon, Encyclopedia Encarta
http://www.panoramio.com/photo/1112182
http://www.panoramio.com/photo/954682 
http://www.panoramio.com/photo/1289421
http://www.panoramio.com/photo/954745
de.wikipedia.org/wiki/Massengutfrachter 
en.wikipedia.org/wiki/Berge_Stahl
www.art-lu.de/stahlschiff.htm
www.answers.com/topic/berge-stahl

Bearbeiter: 
Jamie Hebisch und Kai Lüttgen
(Oktober 2007)

Andreas-Vesalius-Gymnasium
Ritterstr. 4
D - 46485 Wesel

Verantwortlich für die Geo-AG:
Dr. Heribert Becker